Eine Kuh auf der Flucht

Ein nicht alltäglicher Einsatz in der Praxis: Eine Kuh auf der Flucht

Zu einer nicht alltäglichen „Behandlung“ wurde Herr Dr. Schmuck am 16.Oktober 2012 gerufen. Auf der Rinderauktion der WEU hatte sich ein Tier beim Entladen losgerissen und war geflüchtet.

Der daraufhin folgende Einsatz von Seiten der Mitarbeiter der WEU sowie der Polizei ist in der lokalen Presse ausgiebig beschrieben worden.

Wir haben hier noch einige bisher unveröffentlichte Fotos ins Netz gestellt. Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Herrn Kulgemeyer, MT Cloppenburg, der das Schauspiel zufällig begleitete, zur Verfügung gestellt.

Anbei noch einige Bemerkungen zur „Behandlung“. Das Rind wurde durch 3 „Narkosepfeile“, die mittels Blasrohr abgeschossen wurden, so stark sediert, dass es wieder eingefangen werden konnte.

Der erste Pfeil enthielt eine sog. Hellabrunner Mischung. Dabei werden zwei Beruhigungsmittel kombiniert. u.a. das unter dem landläufigen Begriff bekannte Rompun. Ein Pfeil enthält 250 mg Xylazin, das entspricht 12,5 ml des gängigen „Rompun 2,5%“. Das entspricht der 6-10 fachen Dosis, die üblicherweise z. B. beim Weideauftrieb zur Beruhigung verabreicht wird.

Eine solch hohe Dosis ist notwendig, weil ein Tier, das aufgeregt ist und unter Streß steht, das Beruhigungsmittel anders verstoffwechselt. Aber diese Dosis reichte in diesem Fall nicht aus!

Der zweite Pfeil traf dann zwar das Ziel, löste allerdings nicht aus. Die Pfeile sind folgendermaßen konstruiert: sie bestehen aus zwei Kammern, die durch einen Stempel getrennt sind. Die erste Kammer enthält das Medikament, die zweite ein Druckluftpolster, das beim Auftreffen die „Ladung“ durch die Kanüle in den Muskel drücken soll. Es kommt jedoch vor, dass das Druckluftpolster aus diversen Gründen vorher entweicht und so der Pfeil, wie in diesem Fall, nicht auslösen konnte. Also mußte ein dritter Pfeil

auf das Tier geschossen werden. Dies ist insofern problematisch, als dass man die jetzt nachzulegende Dosis nur schwer berechnen kann. Zum einen war mittlerweile eine Stunde seit der Abgabe des ersten Pfeils verstrichen und zum anderen kann es eine Teilauslösung des zweiten Pfeils gegeben haben. Die LD50, d.h. die Dosis, die bei der Hälfte der Tiere tödlich wirkt, liegt bei einer normalgewichtigen Kuh bei 500-600 mg „Rompun“. Der dritte Pfeil wurde dann ebenfalls wie der erste Pfeil mit 200 mg „Rompun“ geladen. Das entspricht einer Gesamtdosis von 25 ml 2% igem „Rompun“. Es war wichtig, dass das Tier nun mit dem dritten Pfeil endlich eingefangen werden konnte, da die Geduld der Polizei, die mittlerweile die Umgehungsstrasse komplett gesperrt hatte, dem Ende zuging. Weiterhin war das Rind agressiv und ging mit gesenktem Kopf auf Menschen los.

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Das Motto lautete nun: dead or alive!

Gott-sei-Dank erfüllte der dritte Pfeil seine Aufgabe und das Rind konnte eingefangen werden

 

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