Wichtige Regeln für die Geburtshilfe beim Rind

Nehmen Sie sich Zeit !

Vom Platzen der Fruchtblase bis zum Durchtritt des Kopfes des Kalbes können bei Kühen 1 – 3 Stunden, bei Färsen bis zu 4 – 6 Stunden vergehen, ohne daß Geburtshilfe erforderlich ist. Ist der Kopf des Kalbes bereits durch die Scham hindurch, sollte die Geburt nach etwa 10 Minuten beendet sein. Kontrollieren Sie die Tiere, ohne sie zu beunruhigen. Zu frühes Eingreifen (Auszug, sobald die Füße erreichbar sind) macht häufig normale Geburten erst zu Schwergeburten.

Merke: Geduld ist der beste Geburtshelfer!

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Tiere rechtzeitig (d. h. mindestens 5 Tage) vor dem Geburtseintritt in die Abkalbebox.

Vermeiden Sie Stress !

Vermeiden Sie eine Beunruhigung, ein Umtreiben, einen rauhen Umgang mit dem Tier oder eine grobe Untersuchung. Jeglicher Stress stört den normalen Ablauf der Geburt und kann zu Schwergeburten und Nachgeburtsverhaltung führen. Denken Sie daran, das Rind ist ein Fluchttier. Bei einer Fluchtreaktion werden Stoffe ausgeschüttet, die die Geburt vorübergehend stoppen. Damit wird der Geburtsablauf gestört. Deshalb bringen Sie die

Arbeiten Sie sauber !

Vor einem Eingriff oder einer Geburtshilfe ist die Scham des Tieres gründlich mit warmem(!) Wasser und Seife zu reinigen. Als Geburtshelfer müssen Sie auch Ihre Hände und Arme gründlich mit Wasser und Seife bis zur Schulter reinigen. Auch Kühe haben ein Recht auf eine hygienische Geburt. Sie werden es Ihnen mit weniger Puerperalstörungen danken. Verwenden Sie nur saubere, ausgekochte Geburtsstricke; noch besser sind saubere Geburtsketten mit Haltegriffen.

Kein Auszug bei zu grossen Kälbern ! Kein Auszug in unterer Stellung ! Kein Auszug bei Gebärmutterverdrehung !

Weiten Sie die Geburtswege !

Duschen Sie das Becken und die Schamgegend mit warmem Wasser ab. Auch können Sie die Schamgegend für etwa 5 Minuten massieren.

Beim Einsatz von Spasmotitrat_ sollten Sie mindestens 10 bis 20 Minuten abwarten, bevor Sie Geburtshilfe leisten.
Setzen Sie den Geburtshelfer nur am liegenden Tier ein. Auch hier gilt: Ziehen Sie NIEMALS in den Wehenpausen!

Leisten Sie vorsichtige Zughilfe !

Führen Sie eine Zughilfe nur am liegenden Tier durch. So kommt es zum optimalen Zusammenspiel von Bauchpresse und Zughilfe. Ein Auszug ist nur in oberer Stellung (Rücken des Kalbes zeigt zum Rücken des Muttertieres) und gestreckter Haltung möglich. Schleifen Sie beide Gliedmaßen an und ziehen Sie abwechselnd an den Ketten. So wird der Durchmesser des Schultergürtels des Kalbes verkleinert. NIEMALS mit mehr als 2 Personen ziehen. Nur gleichzeitig mit den Wehen (Pressen der Kuh) Zughilfe leisten, NIEMALS in den Wehenpausen!! Ziehen Sie zunächst in Verlängerung der Rückenlinie des Muttertieres.

Nach Durchtritt des Brustkorbes des Kalbes winkeln Sie den Zug in Richtung der Hintergliedmaßen der Kuh ab.Vorsicht beim Einsatz des mechanischen Geburtshelfers! Der mechanische Geburtshelfer überträgt eine sehr hohe, schwer einzuschätzende Kraft. Durch das Ansatzstück wird die Ausdehnungsmöglichkeit der Scheide und der Scham stark eingeschränkt.

Kennen Sie Ihre Grenzen !

Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, wie weit Sie mit Ihren Kenntnissen gehen können.Legen Sie klare Grenzen fest, wann Sie Ihren Tierarzt anrufen. Auch der beste Tierarzt kann einen „vermurksten Fall“ nicht wieder in den Griff bekommen.

Dammschutz: Um Einrisse zu vermeiden, drückt ein Helfer mit den Handballen kräftig gegen den Damm des Muttertieres. Denken Sie daran: Tiere mit Geburtsverletzungen haben ein deutlich grösseres Risiko, vorzeitig aus der Herde abzugehen und werden deutlich später wieder tragend.
Die drei großen Fehler in der Geburtshilfe beim Rind sind: _ Zu früh _ Zu unsauber _ Zu stark Durch überlegtes Vorgehen können Sie diese Fehler und damit Verluste leicht vermeiden.

Denken Sie über Ihre Ziele nach !

Das Ziel einer erfolgreichen Geburtshilfe ist ein lebensfrisches Kalb und ein gesundes Muttertier, das seine genetische Leistungsfähigkeit voll ausschöpfen kann. Nur wenn dieses Ziel umgesetzt wird, können Sie wirtschaftlich Milch produzieren.

Vermeiden Sie die drei Fehler !

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und viele lebensfrische Kälber !

in Zusammenarbeit mit der Tierklinik für Fortpflanzung

Dr. M. Drillich & Prof. Dr. W. Heuwieser

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