Beschäftigungsmaterial für Schweine:

Mindestanforderungen des Laves

Auszug aus der Internetseite des Laves in Oldenburg

Gemäß der EU-Richtlinie 2008/120/EG über Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinenmüssen Schweine ständigen Zugang zu ausreichenden Mengen an Materialien haben, die sie untersuchen und bewegen können, wie z.B. Stroh, Heu, Holz, Sägemehl, Pilzkompost, Torf oder eine Mischung dieser Materialien, durch die die Gesundheit der Tiere nicht gefährdet werden kann (Anhang l Kapitel l Nr. 4).
Auf nationaler Ebene werden diese Anforderungen durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung konkretisiert: Wer Schweine hält, hat sicherzustellen, dass jedes Schwein jederzeit Zugang zu gesundheitlich unbedenklichem und in ausreichender Menge vorhandenem Beschäftigungsmaterial hat, das

a) das Schwein untersuchen und bewegen kann und
b) vom Schwein veränderbar ist und damit seinem Erkundungsverhalten dient (§ 26 Abs. 1 Nr.1).
Der Tierschutzdienst bietet auf dieser Seite die rechtliche Einschätzung verschiedener Beschäftigungsmaterialien an. Diese Bewertung bezieht sich ausschließlich auf das Erfüllen der oben genannten rechtlichen Mindestanforderungen. Ausführliche Empfehlungen für besondere Eignung von Materialien oder Objekten – insbesondere in Hinblick auf das Tierverhalten oder notwendige Mengen pro Tierzahl – können praxisbezogenen Ratgebern wie beispielsweise der Beratungsbroschüre „Beschäftigungsmöglichkeiten für Schweine; Lösungen – Bewertungen – Kosten“ des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL-Heft 87/2010) entnommen werden.
Für Interessierte besteht die Möglichkeit, unter dezernat33@laves.niedersachsen.de oder Tel.Nr. 0441-57026-131 beim Tierschutzdienst Ideen zu Beschäftigungsmaterialien in Form von Fotos, Filmen oder Beschreibungen einzureichen. Es ist geplant, die rechtliche Einschätzung von Beispielen auf der Homepage zu veröffentlichen.

Bewertungen
Die Bewertungen beziehen sich allein auf die Mindestanforderungen des geltenden deutschen Tierschutzrechts (s.o.). Die Eigenschaften „untersuchen und bewegen“ bzw. „veränderbar“ und „dem Erkundungsverhalten dienen“ werden bewertet.
Grundsätzlich wird bei der Bewertung von Kunststoffen die Eigenschaft „veränderbar“ ausgeschlossen. Sollten Beschäftigungsmaterialien aus Kunststoff dennoch von den Tieren zerkaut bzw. zerstört werden können, so werden diese insgesamt als nicht geeignet eingestuft, da für die Tiere ein gesundheitliches Risiko durch das Abschlucken von Materialteilen besteht. Darüber hinaus kann ggf. eine Rückstandsproblematik nicht ausgeschlossen werden.
Beschäftigungsmaterialien, die durch ihre individuellen Eigenschaften zusätzlich das natürliche Wühlverhalten des Schweins fördern und solche, die das Tier z. B. in Form von Futter „belohnen“ sind besonders geeignet. Diese Eigenschaften werden auch im Entwurf der Europäischen Kommission für einen Leitfaden zu Beschäftigungsmaterial für Schweine in die Bewertung einbezogen. In den folgenden Einzelbewertungen werden Sie unter „Anmerkungen“ gesondert aufgeführt.

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1. Seil aus Naturfaser

 

Bewertung nach deutschem Tierschutzrecht:
Ein Seil aus Naturfaser als alleiniges Beschäftigungsmaterial erfüllt die rechtlichen Mindestanforderungen.
Anmerkung:
Das natürliche Wühlverhalten wird bei einer bodennahen Anbringung (nur außerhalb des Kotbereichs – Hygiene beachten!) gefördert. Eine Belohnung in Form von Futter steht dem Tier nicht zur Verfügung

Seil

2. Beschäftigungsmaterial aus Kunststoff, z. B. Schlauch an Kette

 

Bewertung nach deutschem Tierschutzrecht:
Das alleinige Angebot von Beschäftigungsmaterial aus Kunststoff erfüllt -unabhängig von der Form- die tierschutzrechtlichen Mindestanforderungen nicht.
Eine Ergänzung durch veränderbares Beschäftigungsmaterial ist erforderlich.
Werden Beschäftigungsmaterialien aus Kunststoff eingesetzt, müssen sie gesundheitlich unbedenklich sein.

Anmerkung:
Das natürliche Wühlverhalten wird bei einer bodennahen Anbringung (nur außerhalb des Kotbereichs – Hygiene beachten!) gefördert. Eine Belohnung in Form von Futter steht dem Tier nicht zur Verfügung.

Futterkette

3. Kette mit Holz

 

Bewertung nach deutschem Tierschutzrecht:
Eine Kette mit Holz als alleiniges Beschäftigungsmaterial erfüllt die rechtlichen Mindestanforderungen, sofern das eingesetzte Holz gesundheitlich unbedenklich ist (z. B. unbehandelt, von ungiftigen Pflanzen stammend, nicht zur Splitterbildung neigend).
Anmerkung:
Das natürliche Wühlverhalten wird bei einer bodennahen Anbringung (außerhalb des Kotbereichs – Hygiene beachten!) gefördert. Eine Belohnung in Form von Futter steht dem Tier nicht zur Verfügung.

Kette mit Holz

4. Futterkette als Beschäftigungsmaterial

 

Bewertung nach deutschem Tierschutzrecht:
Eine Futterkette mit gesundheitlich unbedenklichem Kunststoff als alleiniges Beschäftigungsmaterial erfüllt nicht die rechtlichen Mindestanforderungen an die Veränderbarkeit. Eine Ergänzung durch veränderbares Beschäftigungsmaterial ist erforderlich.
Anmerkung:
Das natürliche Wühlverhalten wird bei bodennaher Anbringung (nur außerhalb des Kotbereichs – Hygiene beachten!) gefördert. Eine Belohnung in Form von Futter steht dem Tier nicht zur Verfügung.

Futterkette

5. Verschiebbares Kunststoffobjekt auf Stange

 

Bewertung nach deutschem Tierschutzrecht:
Ein verschiebbares Kunststoffobjekt auf einer Stange als alleiniges Beschäftigungsmaterial erfüllt nicht die rechtlichen Mindestanforderungen an die Veränderbarkeit. Eine Ergänzung durch veränderbares Beschäftigungsmaterial ist erforderlich.
Werden Beschäftigungsmaterialien aus Kunststoff eingesetzt, müssen sie gesundheitlich unbedenklich sein.
Anmerkung:
Das natürliche Wühlverhalten wird nicht gefördert. Möglicherweise unterstützt dieses Beschäftigungsmaterial die Entstehung der unerwünschten Stereotypie „Stangenbeißen“. Eine Belohnung in Form von Futter steht dem Tier nicht zur Verfügung.

Dokument als Download

 

Quelle: laves.niedersachsen.de

Schlauch an Kette