Tierschutzauflagen für Schweinehaltende Betriebe

Auszug aus der Internetseite des Laves in Oldenburg

Was gilt jetzt – was ändert sich demnächst?

Seit August 2006 gelten für Schweine haltende Betriebe in Deutschland die spezialgesetzlichenRegelungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung*. Abschnitt 1 enthält allgemeine Bestimmungen, Abschnitt 5 regelt die speziellen Anforderungen an das Halten von Schweinen. Für einige dieser Anforderungen hat der Gesetzgeber Übergangsfristen für solche Ställe eingeräumt, die bereits vor dem 04. August 2006 genehmigt oder in Betrieb genommen wurden. Im weiteren Text werden diese Ställe als „Altbauten“ bezeichnet. Da die Übergangsfristen ab Mitte 2011 auslaufen, sollten schon jetzt notwendige bauliche und betriebliche Veränderungen in die Wege geleitet werden. Nicht eingehaltene Fristen können zusätzliche Kosten durch Bußgelder und Prämienabzüge zur Folge haben.

Im folgenden werden die Tierschutzanforderungen, die immer wieder Anlass zur Diskussion geben und sämtliche Übergangsregelungen und -fristen geordnet nach Nutzungsart beschrieben. Auf Sonderregelungen für Kleinbetriebe mit weniger als 10 Sauen wird nicht näher eingegangen.

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Allgemeine Anforderungen für Schweine haltende Betriebe

Jeder Tierhalter bzw. – betreuer muss seine Tiere entsprechend ihrer Art und ihren Bedürfnissen angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Dabei darf die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass dem Tier Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Sämtliche Tiere müssen mindestens einmal täglich kontrolliert werden. Dabei auffällige kranke oder verletzte Schweine müssen unverzüglich separat in eine geeignete Haltungseinrichtung mit trockener und weicher Einstreu oder Unterlage verbracht und versorgt werden. Ggf. ist ein Tierarzt hinzuzuziehen; in aussichtslosen Fällen sind die Schweine tierschutzgerecht zu töten. Das Ergebnis der täglichen Überprüfung, sämtliche medizinischen Behandlungen, aufgetretene Verluste sowie deren Ursachen müssen vom Tierhalter dokumentiert werden.

              Durchschnittsgewicht

Bodenfläche

                    Altbauten bis

 kg

                       je Tier in m²

 31.12.2012

über 30 bis 50

0,5

0,4

über 50 bis 85

0,75

0,55

über 85 bis 110

0,75

0,65

über 110

1,0

1,0

Zusätzliche Mindestanforderungen für Absatzferkel
Absatzferkel sind definiert als abgesetzte Ferkel bis zum Alter von 10 Wochen. Das Durchschnittsgewicht der Ferkel einer Gruppe muss mindestens 5 kg betragen. Bei neu zusammengesetzten Gruppen darf das Gewicht der einzelnen Tiere um höchstens 20 % vom Durchschnittsgewicht der Absatzferkel der Gruppe abweichen.
Je nach Durchschnittsgewicht der Ferkel müssen folgende Mindestanforderungen erfüllt sein:

Durchschnittsgewicht in kg

Mindestfläche / Tier

Mindesttemperatur ohne / mit Einstreu im Liegebereich

> 5 -10

0,15 m²

20°C / 16°C

> 10 – 20

0,20 m²

18°C / 14°C

> 20

0,35 m²

16°C / 12°C

In Altbauten kann für Ferkel mit einem Durchschnittsgewicht von mehr als 20 kg noch bis zum 04. August 2016 eine Mindestfläche von 0,30 m² genutzt werden.

Zusätzliche Mindestanforderungen für Jungsauen, Sauen und Saugferkel
Weibliche Zuchtschweine werden ab dem Decken bis vor dem ersten Wurf als Jungsau und ab dem ersten Wurf als Sau bezeichnet. Im folgenden Text wird die Jungsau nur dann explizit erwähnt, wenn für sie andere Anforderungen gelten als für die Sau. Saugferkel sind definiert als Ferkel bis zum Absetzen.
Für den Sauenhalter hat sich seit August 2006 durch die Neufassung der Tierschutz- Nutztierhaltungsverordnung einiges geändert, denn seitdem müssen Sauen ab vier Wochen nach dem Decken bis eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin in der Gruppe gehalten werden. Für Altbauten gibt es noch bis zum 31. Dezember 2012 eine Übergangsregelung, nach der Sauen noch einzeln gehalten werden dürfen, wenn sie jeweils nach dem Absetzen der Ferkel mindestens vier Wochen lang täglich freie Bewegung erhalten. Da die Gruppenhaltung von Sauen umfassende Änderungen der Aufstallung und des Managements mit sich bringt, sollten „Altbetriebe“ die Übergangsfrist nutzen, um sich rechtzeitig auf die neue Situation vorzubereiten.

Für die Gruppenhaltung von Sauen gelten folgende Anforderungen:
Eine Gruppenbucht muss eine Mindestseitenlänge von 280 cm haben bzw. 240 cm, wenn die Gruppe aus weniger als 6 Sauen besteht. Die Mindestbodenfläche pro Sau bzw. Jungsau in der Gruppenbucht ist von der Gruppengröße abhängig:

Fläche in Quadratmetern

Gruppengröße

bis 5 Tiere

6 – 39 Tiere

ab 40 Tiere

je Jungsau

1,85

1,65

1,5

je Sau

2,5

2,25

2,05

Von dieser Fläche müssen mindestens 0,95 m² je Jungsau bzw. 1,3 m² je Sau als Liegebereich gestaltet sein, d.h. der Boden darf hier maximal einen Perforationsgrad von 15 % aufweisen. Sauen, die während der Zeit der Gruppenhaltung erkranken oder sich verletzen, müssen so gehalten werden, dass sie sich jederzeit ungehindert umdrehen können. Diese Anforderungen sind auch in Altbauten bis spätestens 31. Dezember 2012 umzusetzen.
Findet die Gruppenhaltung in Fress-Liegebuchten statt, dann müssen sie so angelegt sein, dass die Sauen diese jederzeit selbstständig aufsuchen und verlassen können. Der Boden der Fress-Liegebucht darf im vorderen Bereich gemessen ab buchtenseitiger Kante des Futtertrogs auf mindestens 1 m einen Perforationsgrad von maximal 15 % aufweisen. In Altbauten ist diese Anforderung spätestens bis zum 31. Dezember 2012 umzusetzen. Die Gangbreite hinter den Fress-Liegebuchten muss bei einseitiger Buchtenanordnung mindestens 160 cm und bei beidseitiger Anordnung 200 cm betragen. Ist dieser Gang in Altbauten schmaler, ein ungehindertes Umdrehen und aneinander Vorbeigehen der Tiere jedoch möglich, kann der schmalere Gang noch bis zum 31. Dezember 2018 genutzt werden.
Die Einzelhaltung im Kastenstand ist nur noch ab einer Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin bis vier Wochen nach dem Decken erlaubt. Dabei darf der Liegebereich im Kastenstand nicht über Teilflächen hinaus perforiert sein, durch den Restfutter fallen oder Kot oder Harn durchgetreten werden oder abfließen kann. Auch Altbauten müssen diese Anforderung an die Liegefläche bis zum 31. Dezember 2012umgesetzt haben.
Grundsätzlich müssen Sauen so untergebracht werden, dass sie sich nicht verletzen, ungehindert aufstehen und sich mit ausgestrecktem Kopf und Gliedmaßen in Seitenlage hinlegen können. Um diese Mindestanforderungen zu erfüllen, darf der Kastenstand bei Neubauten ein lichtes Maß von 200 cm x 65 cm für Jungsauen bzw. 200 cm x 70 cm für Sauen normalerweise nicht unterschreiten. Die lichte Höhe muss mindestens 110 cm betragen, empfohlen werden 115 cm. Jegliche Form der Anbindehaltung ist verboten!
Um den zumeist restriktiv gefütterten tragenden Sauen ein Sättigungsgefühl zu verschaffen, muss während der Trächtigkeit bis eine Woche vor dem vorrausichtlichen Abferkeltermin entweder ein Alleinfuttermittel mit mindestens 8% Rohfaseranteil gefüttert oder täglich mindestens 200 g Rohfaser angeboten werden. Trächtige Sauen sind erforderlichenfalls gegen Parasiten zu behandeln und vor dem Einstallen in die Abferkelbucht zu reinigen.
Abferkelbuchten müssen so angelegt sein, dass hinter dem Liegebereich der Sau genügend Bewegungsfreiheit zum ungehinderten Abferkeln und für geburtshilfliche Maßnahmen vorhanden ist. Bei Neubauten muss die Fläche einer Abferkelbucht mindestens 4 m² betragen. Außerdem müssen Schutzvorrichtungen gegen das Erdrücken der Saugferkel vorhanden sein. Der Aufenthaltsbereich der Saugferkel muss so beschaffen sein, dass alle gleichzeitig ungehindert saugen oder sich ausruhen können. Dazu sollte das Ferkelnest eine Größe von mindestens 0,6 m² haben, empfohlen werden 0,72 m². Der Boden des Ferkelnestes muss eine geschlossene Fläche aufweisen, die entweder mit Einstreu bedeckt oder wärmegedämmt und beheizbar ist.
In der Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin muss den Sauen ausreichend Stroh oder anderes Material zur Befriedigung ihres Nestbauverhaltens zur Verfügung gestellt werden, soweit dies nach dem Stand der Technik mit der vorhandenen Anlage zur Kot- und Harnentsorgung vereinbar ist. Saugferkel dürfen erst im Alter von über vier Wochen abgesetzt werden. Ein Absetzen von über drei Wochen alten Ferkeln ist nur erlaubt, wenn sie direkt in einem gereinigten und desinfizierten Stall, vollständig getrennt von den Sauen, untergebracht werden.

Grundsätzlich sind Amputationen oder Beschädigungen eines Körperteils oder Organs nach dem Tierschutzgesetz** verboten. Nur in gut begründeten, unerlässlichen Einzelfällen sind Ausnahmen zulässig. Das bedeutet, dass Eingriffe wie beispielsweise das Kürzen der Schwanzspitze und das Abschleifen der Eckzähne bei Saugferkeln nicht routinemäßig prophylaktisch durchgeführt werden dürfen; dies gilt im Übrigen EU-weit. Faktoren wie Beschäftigung, Stallklima, Belegdichte, Fütterungsmanagement und Tiergesundheit müssen im Vorfeld überprüft und optimiert werden. Erst wenn nachweislich alle Mängel behoben sind und dennoch weiterhin vermehrt Probleme, wie beispielsweise Schwanzbeißen oder Gesäugeverletzungen bei den Sauen im Bestand auftreten, sind diese Eingriffe zulässig. Die Schwanzspitze darf dann bei bis zu 3 Tage alten Ferkeln ohne Betäubung um maximal 1/3 gekürzt werden. Eckzähne dürfen innerhalb der ersten Lebenswoche allenfalls abgeschliffen werden. Ein Abkneifen der Zähne ist grundsätzlich verboten, da dies häufig zu Zahnfrakturen und Verletzungen führt, die Eintrittspforten für Infektionserreger darstellen. Sämtliche Eingriffe dürfen nur von sachkundigen Personen durchgeführt werden.

Strohtraufe

Zusätzliche Mindestanforderungen für Eber
Ein Eber ist nach der Verordnung als geschlechtsreifes, männliches Schwein, das zur Zucht bestimmt ist, definiert. Die Haltungseinrichtung eines jeden Ebers muss so gestaltet sein, dass er sich ungehindert umdrehen und andere Schweine hören, riechen und sehen kann. Für Eber ab dem Alter von 24 Monaten muss die Bucht mindestens 6 m² groß sein. Eine Deckbucht muss eine Mindestgröße von 10 m² haben und so angelegt sein, dass die Sau dem Eber ausweichen und sich ungehindert umdrehen kann.
Nach Ablauf der Übergangsfristen gelten auch für Altbauten, die vor dem 04. August 2006 in Betrieb genommen wurden, folgende Anforderungen:

4. August 2011: für Gruppenhaltung zusätzliche Tränken räumlich getrennt von der Futterstelle in ausreichender Anzahl
31. Dezember 2012: Spaltenmaße Boden für > 30 kg schwere Schweine: Zuchtläufer / Mastschwein 18 mm; Jungsau, Sau, Eber 20 mm
bei Betonböden für > 30 kg schwere Schweine entgratete Kanten und Auftritts- breiten von mind. 8 cm; im Liegebereich Perforationsgrad von maximal 15 %
geeignete Vorrichtung zur Verminderung der Wärmebelastung bei hohen Stalltemperaturen
Bodenfläche je Schwein: > 30 – 50 kg Körpergewicht: 0,50 m² > 50 -110 kg Körpergewicht: 0,75 m²
Sauen müssen ab 4 Wochen nach dem Decken bis 1 Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin in Gruppen gehalten werden; die im Text genannten Mindestmaße (Seitenlänge der Buchten, Mindestbodenfläche, Liegefläche) sind einzuhalten
bei Gruppenhaltung von Sauen in Fress-Liegebuchten darf der Boden der Fress-Liegebucht im vorderen Bereich gemessen ab buchtenseitiger Kante des Futtertrogs auf mindestens 1 m einen Perforationsgrad von maximal 15 % aufweisen
Sauen, die während der Zeit der Gruppenhaltung erkranken oder sich verletzen, müssen zumindest so gehalten werden, dass sie sich jederzeit ungehindert umdrehen können
bei Einzelhaltung im Kastenstand darf der Liegebereich nicht über Teilflächen hinaus perforiert sein, durch die Restfutter fallen oder Kot oder Harn durchgetreten werden oder abfließen kann
Gruppenhaltung Sau: Mindestseitenlänge der Bucht mind. 280 cm bzw. 240 cm bei Gruppengröße < 6 Sauen
Mindestbodenfläche in m² für Gruppenbucht für Jungsauen / Sauen (bis 5 Tiere: 1,85 / 2,5; 6 bis 39 Tiere: 1,65 / 2,25; > 40 Tiere: 1,5 / 2,05) und Liegefläche mind. 0,95 m² (Jungsau) bzw. 1,3 m² (Sau) mit max. 15 % Perforationsgrad
04. August 2016: Bodenfläche pro Schwein > 20 kg Körpergewicht: 0,35 m²
31. Dezember 2018: Mindestgangbreite hinter Fress-Liegebuchten: einseitig 160 cm; doppelseitig 200 cm

* Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung v. 22. Aug. 2006 (BGBl. I S. 2043) zuletzt geändert durch Art. 1 des G v. 01. Okt. 2009 (BGBl. I S. 3223)
**Tierschutzgesetz in der Fassung vom 18. Mai 2006 (BGBl. I S. 1207), zuletzt geändert durch: Gesetz vom 15. Juli 2009 (BGBl. I S. 1950)